Southside 2018

Welche Open-Airs besucht ihr sonst noch? Welcher Gig hat euch besonders gefallen / gelangweilt? Ihr sucht Leute für ein gemeinsames Konzert, dann seid ihr hier richtig...

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Dash
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Re: Southside 2018

#21 Beitrag von Dash » Dienstag 10. Juli 2018, 09:13

Danke für den ausführlichen Bericht :daumenhoch01:
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kottsack
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Re: Southside 2018

#22 Beitrag von kottsack » Mittwoch 11. Juli 2018, 12:27

Danke für Deinen Bericht häxe - ich finds interessant, das Festival nochmal aus anderen Augen und Perspektiven zu sehen. Großen Respekt, was du dir alles an Bands angeschaut hast, aber du hattest als Bustouri ja auch kein Refugium vor Ort, das dich festgehalten hat. Du wirst halt angekarrt und dann wird mitgenommen, was geht. Mich ärgert es ein wenig, dass ich mir nicht auch mehr angeschaut habe, aber es passt schon so. Ausserdem ist ein grooooßer Unterschied, dass du jeden Abend im Hotel deinen Akku komplett neu aufladen konntest und nach den Konzerten vermutlich nicht mehr viel passiert ist. Daher kommt glaube ich auch die unterschiedliche Wahrnehmung von den Kooks - ich glaube, ich war auch einfach schon durch zu dem Zeitpunkt. Ich muss sie mir mal nochmal irgendwo anschauen. Aber Johnossi waren mal wirklich klasse!

Zum Flair und den Leuten: ich hab da einen recht routinierten Blick drauf, weil ich ja auch schon über 50 Festivals mitgemacht habe. Ich meine damit nicht irgendwelche Pöbler oder sonstige Volltrottel, die es auch immer geben wird und die auch schon immer da waren. Mir fehlen die Leute, die:

- der halbe Zeltplatz nach 2 Tagen kennt (auch auf dem Southside funktioniert sowas)
- die Typen, die mit Saufspielen oder Gitarre oder irgend einem Gimmick rumlatschen und die Camps abklappern. Ich hab das ganze Wochenende nur einen Typen mit Gitarre auf Wanderschaft gesehen und Wanderschaft hat generell sehr stark nachgelassen. Umgekehrt - als Wanderer funktioniert das fast immer noch genauso gut - kann ich bestätigen - und drum frage ich mich, warum das so wenige machen. Einfach rumlatschen, Leute anlabern und kennen lernen. Das ist doch das schönste! Und irgendwas Bereicherndes nimmst du immer überall mit

- mir kommen die meisten Camps wie Abziehbilder vor. Das verstärkt sich dadurch, dass das Southside ein Schlepp-Festival ist. Und mir kommen die meisten Leute da auch wie Abziehbilder vor, die Festival spielen und nicht Festival erleben. Die machen, was von irgend einer höheren Macht, der Werbung oder den Likern verlangt wird und nicht, wonach ihnen ist. Flunkyball, Selbstbemalter-Tisch-Saufspiel, Beerpong, Flunkyball, Selbstbemalter-Tisch-Saufspiel, Beerpong, Flunkyball,........ hm.......alles sehr sehr generisch.

Generell ist es auf dem Zeltplatz aber friedlebender geworden. Vor 10 Jahren war das ja in bekannten Bereichen mal richtig übel und woanders normal übel - da ist gar nichts mehr und das finde ich auch gut. Eine richtig aufgeheizte Atmosphäre mit Zerstörung und Körperlichkeiten habe ich nur einmal am ganzen Wochenende beobachtet. Das waren aber auch so verzogene Halbstarke.

Musikalisch ist mir das auch aufgefallen, dass die Gitarrenmusik auf dem absteigenden Ast ist. Da gibts die Sachen, die schon etabliert sind, aber als Newcomer hochzustarten ist inzwischen nicht mehr so leicht. Das merkst du auch, wenn du durch die Camps am Zeltplatz läufst - Gitarrenmukke aus den Boxen wirkt da zum Teil und gerade am Southside schon sehr exotisch. Das wird sich zum Elektro- und Autotune-Gestammel-Festival wandeln bzw. tut es schon. Ist aber auch in Ordnung. Die müssen auch wirtschaftlich denken und der Großteil vom Nachwuchs hört eben sowas. Echte Indiemusik, die es mal richtig bedient hat, ist wieder in der Nische angekommen.

Dennoch: wegen den Bands ausschließlich werde ich glaube ich niemals zum Festival fahren. Ich bleib so lange wie es geht im Zelt, weit ab von Hotels, Resorts und Greencamping-Bereich!
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Re: Southside 2018

#23 Beitrag von markus.whatever » Mittwoch 11. Juli 2018, 14:19

Dann versuch ich auch noch kurz meine Eindrücke zu schildern:

Wir sind am Donnerstag gegen 17.00 Uhr angekommen. Ich war mit einer Freundin, die für ein Musikmagazin arbeitet auf dem Presse/VIP-Zeltplatz was schon sehr schöne Vorteile (max. 200m zur Bühne, Auto neben Zelt, Funktionierende Duschen ohne Schlange) mit sich bringt. Die ca. 350 Euro für ein entsprechendes VIP-Ticket würde ich dafür aber vermutlich nicht ausgeben, so viel geiler isses dann auch wieder nicht.

Nach einer kleinen Zeltplatztour bei Freunden wollten wir am Donnerstagabend zu Blackout Problems, sind aber aufgrund der langen Schlange nicht reingekommen (Wir wussten zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass wir mit unserem Pass abkürzen konnten). Zu Heisskalt waren wir dann im Zelt, allerdings war das wie schon beim Lutzi-Festival eine ziemliche Enttäuschen. Zu Zeiten ihrer ersten EP hatten die wirklich Potential eine meiner Lieblingsbands zu werden und auch das Debütalbum gefiel mir noch sehr gut. Gerade mit dem letzten Album kann ich allerdings garnichts anfangen. Mit diesem depressiven Sing-Sang ziehen die Jungs bei mir nur noch die Stimmung runter. Danach haben wir noch eine Weile Trettmann angeschaut.. War ganz nett, allerdings auch nichts Weltbewegendes. Warum der aktuell so gehyped wird, erschließt sich mir nicht ganz. Wollten dann noch ins Partyzelt, mussten aber feststellen, dass es stattdessen inzwischen auf der Landebahn eine Open Air Disco gibt. Sind dann der Kälte wegen relativ bald richtung Camp.

Am Freitag gings los mit Schlaraffenlandung - sehr talentierte Band. Musikalisch irgendwo in der Ecke von OK Kid anzusiedeln. War schön anzuschauen. Danach ins Zelt zu Drangsal. War ganz okay, mehr aber auch nicht.. NoFX haben wir wohl leider irgendwie verpasst. Das erste große Highlight - wenn auch wenig überraschend - war dann Kraftklub. X-Mal gesehen, aber die haben halt einfach Bock und das hat sich auch auf das Publikum übertragen. Stimmungstechnisch war das sehr stark. Anschließend im Zelt die etwas in der Versenkung verschwundenen Jungs von Bonaparte. Hatte den Eindruck, dass sie ihre dadaistische Bühnenshow etwas zurückgeschraubt haben, hat aber nicht geschadet - mit Ihrer Musik punkten sie bei mir auch. Starkes Konzert. Arctic Monkeys/Arcade Fire haben wir sausen lassen.

Was die Namen anging, war Samstag für uns der beste Tag. Zwar fiel das Aufstehen aus dem Campingstuhl noch etwas schwer, zu den Donots haben wir es allerdings pünktlich geschafft. Gottseidank, denn was die wieder abgeliefert haben, war einfach sensationell. Weiter ging es mit Swiss & Die Andern: Eigentlich sehr geil, nur leider war der Sound im Zelt (wie meiner Meinung nach bei einigen Konzerten im Zelt) komischerweiße nicht besonders gut abgemischt. Normalerweise sollte es im Zelt ja einfacher sein, druckvollen Sound hinzubekommen. Sind dann wieder abgewandert du Wanda - ähnlicher Auftritt wie beim Taubertal, hat Spaß gemacht. Zeitgleich mit dem Auftritt der Broilers war eigentlich Fußball angesagt, da wir aber vor der Leinwand keinen anständigen Platz bekommen haben, sind wir dann eben doch zu den Broilers. Da gibts nicht viel zu sagen.. oft gesehen, immer wieder stark. Nachdem ich Billy Talent letztes Jahr im Tal aufgrund früher Abreise verpasst hatte, hab ich mich auf deren Headlinerauftritt sehr gefreut. Enttäuscht wurde ich nicht: Hits am laufenden Band und sensationelle Stimmung. Besonderer Gänsehautmoment: Für einige Songs ist der MS-Kranke Ex-Schlagzeuger auf die Bühne gekommen und hat mitgespielt. Um auch die letzte Energie aus dem Körper zu lassen, sind wir dann noch zu Marteria. Schaut ihn Euch beim Taubertal auf jeden Fall an. Mega sympathischer Typ und pure Energie auf der Bühne. Das wird ein Abriss am Sonntagabend.

Dann war auch schon wieder Sonntag, die Kondition zwar irgendwie am Ende aber trotzdem noch sehr tolle Auftritte von SXTN, Adam Angst, Emil Bulls, Madsen, Dendemann und Biffy Clyro gesehen - allesamt sehr stabil. Hab mir dann noch den Anfang von Justice angeschaut, aber das war wirklich garnichts für mich.

Gesamteindruck: Allgemein macht FKP mit dem Southside meiner Meinung nach schon sehr viel richtig. Das Line-up ist stimmig, bietet für jeden Geschmack etwas und auch das Drumherum passt einfach. Als "normaler Gast" würde mich das geschleppe vom Auto zum Zeltplatz sehr stören, aber das lässt sich wohl kaum ändern. Eigentlich gehe ich zum Southside größtenteils wegen der Bands, um neue Leute kennenzulernen sind mir da einfach zu viele Deppen unterwegs, die mit dem Festivalspirit wie ich ihn kenne eigentlich nichts am Hut haben. Was mir wirklich sauer aufgestoßen ist - wurde aber auch schon erwähnt - die Essenspreise waren wirklich heftig. Glücklicherweise hab ich selten Hunger auf Festivals. Und der fehlende Pizzamario ist mir auch aufgefallen.

Die Konzerte von London Grammar, Biffy Clyro, Two Door Cinema Club, NOFX, DONOTS, Broilers, Madsen, Prinz Pi, SXTN, Marmozets, Neck Deep und Talco, Black Rebel Motorcycle Club und Feine Sahne Fischfilet gibts übrigens aktuell noch in der Arte Mediathek: https://www.arte.tv/de/videos/RC-016321 ... ival-2018/
Zuletzt geändert von markus.whatever am Mittwoch 11. Juli 2018, 15:21, insgesamt 1-mal geändert.
Ja von mir aus, dann nennt sich die Mucke halt Deephouse
aber dafür, dass hier niemand tanzt, ist sie ziemlich laut.

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Re: Southside 2018

#24 Beitrag von vfbler » Mittwoch 11. Juli 2018, 15:08

Schöne und echt wahnsinnig umfangreiche Berichte, Klasse das Ihr Euch so viel Mühe macht, vielen Dank dafür!

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Re: Southside 2018

#25 Beitrag von Dash » Donnerstag 12. Juli 2018, 23:04

markus.whatever hat geschrieben:
Mittwoch 11. Juli 2018, 14:19

Die Konzerte von London Grammar, Biffy Clyro, Two Door Cinema Club, NOFX, DONOTS, Broilers, Madsen, Prinz Pi, SXTN, Marmozets, Neck Deep und Talco, Black Rebel Motorcycle Club und Feine Sahne Fischfilet gibts übrigens aktuell noch in der Arte Mediathek: https://www.arte.tv/de/videos/RC-016321 ... ival-2018/
Danke für den Tipp.
Kann man auch prima mit "Mediathek View" runterladen...wer das Tool noch nicht kennt.
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